reflections

Ratschläge

für Angehörige, Eltern, Geschwister, Gleichaltrige, Ärzte, ...

Ich stütze mich hier auch auf die gute Sammlung aus der
BRIGITTE, in der sich viele Betroffene wiedergefunden haben.
Ursprünglich stammen die Ratschläge wohl aus dem Buch
Was sind Ess-Störungen? - Ein kleines Handbuch zur Diagnose, Therapie und Vorbeugung von M. Gerlinghoff / H. Backmund.
an die Mütter:

  • Ich habe Schuldgefühle, weil du unter meiner Krankheit leidest. Such dir selber Hilfe, zum Beispiel bei einer Selbsthilfegruppe. Gib dir auf keinen Fall die alleinige Schuld. Da kriege ich nur wieder ein schlechtes Gewissen, weil es dir wegen mir nicht gut geht.
  • Rede nicht mit anderen über mich, sondern mit mir!
  • Auch wenn ich Bücher über Ess-Störungen barsch abwehre, brenne ich darauf, sie heimlich zu lesen.
  • Behandle mich nicht wie ein rohes Ei, sondern wie einen normalen Menschen!
  • Nimm mich in jeder Hinsicht ernst. Es verletzt mich, wenn du dich nur noch für mein Ess-Verhalten oder mein Gewicht interessierst.
  • Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit von dir - nicht, indem du mein Lieblingsessen kochst. Diese Art der Zuwendung macht mich aggressiv.
  • Es geht im Grunde genommen NICHT ums Essen, auch wenn ich Tag und Nacht nichts anderes im Kopf zu haben scheine.
  • Versuche nicht, mich zu therapieren! Du kannst nicht weder meine Therapeutin noch eine gute Freundin ersetzen.
  • Rufe nicht für mich bei Therapeuten an.
an die Väter:
  • Ich wünsche mir, dass du mich auch einmal lobst und mir das Gefühl gibst, dass Anerkennung und Liebe von Leistung unabhängig sind. Ich denke sonst leicht, dass ich immer noch besser sein muss, um überhaupt wahrgenommen und geliebt zu werden.
  • Tu meine Ess-Störung nicht einfach als Schlankheitstick oder kleine Spinnerei ab! Es ist furchtbar für mich, wenn ich als ein bisschen verrückt behandelt werde.
  • Reagiere nicht mit Aggression und Gewalt auf mein Essverhalten.
  • Schiebe nicht die ganze Verantwortung auf meine Mutter ab und gib nicht ihr die Schuld an meiner Krankheit. Ich wünsche mir, dass du dir auch Gedanken machst.
an Gleichaltrige und Freunde:
  • Lass mich nicht fallen! Ruf an, schlag Unternehmungen vor, die nichts mit Essen zu tun haben. Ich brauche das Gefühl, dass ich dir wichtig bin, schaffe es aber oft nicht, mich aus meiner Isolation zu befreien.
  • Sei herzlich, nimm mich ruhig mal in den Arm.
  • Frag mich, wie es mir geht. Sei aber bitte nicht enttäuscht oder wende dich ab, wenn ich dich abweise. Ich kenne mich oft selbst mit meinen Gefühlen nicht aus und verletze dich, ohne es zu wollen.
  • Lass dich nicht auf Figurvergleiche ein! Sie unterstützen nur mein krankes Denken.
  • Bewundere nicht mein extrem kontrolliertes Essverhalten und mein Untergewicht! Sonst bestätigst du mich noch in meinem kranken Verhalten.
  • Streich das Wort "Streber" aus deinem Wortschatz. Ich bringe meine guten Leistungen nicht, um zu schleimen, sondern weil ich mein Selbstbewusstsein stärken will.
an Ärzte::
  • Trauen Sie sich, mich direkt auf mein Gewicht und mein Verhalten anzusprechen, auch wenn ich Sie im ersten Moment heftig zurückweise und alles abstreite. Ich kann nicht anders, aber insgeheim warte ich sehnsüchtig darauf, endlich wahr- und ernstgenommen zu werden.
  • Machen Sie die Ernsthaftigkeit nicht nur an meinem Gewicht fest!
    Das allerschlimmste, was Sie tun und sagen können:
    "Um das Gewicht müssen wir uns ja noch keine Sorgen machen."
    "Ich habe andere gesehen, die viel schlimmer dran waren als Du/Sie!"
    "Na, das Gewicht ist ja noch okay!"
    Damit beruhigen Sie mich nicht, sondern animieren mich nur dazu, noch weiter anzunehmen, damit Sie mich endlich ernstnehmen.
  • Schicken Sie meine Eltern und Begleiter aus dem Zimmer, wenn Sie mit mir über die Ess-Störung sprechen wollen. Die sind die letzten, vor denen ich etwas zugeben würde.

20.4.07 22:15

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